kairós -
das richtige Handeln
im entscheidenden Augenblick


Philosophie-News
Keine Freiheit ohne Angst
„Angst kann man vergleichen mit Schwindel. Wessen Auge in eine gähnende Tiefe hinunterschaut, der wird schwindlig. Der Grund seines Schwindels aber ist ebensosehr sein Auge wie der Abgrund; denn gesetzt, er hätte nicht hinuntergestarrt! So ist die Angst der Schwindel der Freiheit, der aufsteigt, wenn (…) die Freiheit nun hinunterschaut in ihre eigene Möglichkeit und dabei die Endlichkeit ergreift, um sich daran zu halten.“
Søren Kierkegaard: Der Begriff Angst (1844)

Angst und Freiheit betreffen jeden Menschen direkt in seiner Existenz. Wir neigen heute dazu, Angst ausschließlich negativ, Freiheit hingegen positiv zu bewerten. Kierkegaard weist auf die wesentliche Verflechtung der beiden hin: Es gibt keine Freiheit ohne Angst. Zugleich aber tendieren wir gerade in der Angst dazu, uns von der Freiheit abzuwenden: Wir leben dann möglichst konform oder lenken uns mit kurzfristigen Vergnügungen ab. Sich auf die richtige Weise zu ängstigen, ist eine Kunst. Es gilt, weder in Angst zu versinken noch die Angst und damit die Freiheit zu vermeiden.

In der Offenheit unserer Situation sind wir auf uns selbst und unsere eigene Verantwortung zurückgeworfen: Es erfasst uns der „Schwindel der Freiheit“. Der Blick in den Abgrund ängstigt uns und doch können wir den Blick kaum abwenden. In der Angst zeigt sich auf berauschende und erschreckende Weise die Möglichkeit der Freiheit. Doch da diese Angst schwer auszuhalten ist, ergreifen wir „die Endlichkeit“, wir verdrängen unsere Freiheit und halten uns an Bekanntes und scheinbar Notwendiges. (Aus dem Philosophie Magazin, 23. Februar 2021)
(Erstellt am 5.10.2021, 21:32)

Pandemie und Philosophie
In dieser Corona-Pandemie-Zeit ist auch die Philosophie in einer Ausnahmesituation. Welchen Beitrag sollte die Philosophie gerade jetzt leisten? In der "Zeitschrift für Praktische Philosophie" (www.praktische-philosophie.org) gibt es eine Zusammenfassung dieser Problematik. Zum Artikel (PDF).
(Erstellt am 10.03.2021, 10:22)

Die Gelegenheit ergreifen
Lesen Sie dieses Buch: "Die Gelegenheit ergreifen. Eine politische Philosophie des Kairós" - Autor: Alexander Neupert-Doppler. 2019
Er ist Politikwissenschaftler, Philosoph und Historiker, Mitarbeiter für Politische Theorie am Institut for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam.
Aus einer Rezension: "Bei Geschichtsphilosophie geht es auch darum, aus der Geschichte zu lernen und Theorie vermag auf Fragen aufmerksam zu machen, die aber nur in der Praxis zu lösen sind. Die 'Kairósfrage' ist darum aktuell, um Praxis theoretisch zu fundieren, damit sie Kritik und Utopie verbindet. [...] Kairós hat eine objektive und eine subjektive Seite: Er bezieht sich auf historische Umstände, muss aber genutzt werden. Verpasst man den Kairós, ist das nicht einfach ein Missgeschick, immer hängt ihm auch Tragisches an, und vor allem stellt sich auch die Frage, wie die Massen selbst das nötige Kairósbewusstsein entwickeln können."
Verlag Mandelbaum, Wien
"Wieso meinen im 20. und 21. Jahrhundert überhaupt Menschen, dass es sich lohnt aus dem Kairós, dem griechischen Gott der guten Gelegenheiten, einen Begriff zu machen, der uns helfen soll, Geschichte und Politik besser zu verstehen?" Ein Zitat aus der Einleitung S. 9
(Erstellt am 21.10.2020, 17:29)

News vom Philosophie Magazin
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(Erstellt am 22.09.2020, 8:02)

Hier entsteht (alles ist im Aufbau begriffen) eine Internetpräsentation der Themen

  1. Der Augenblick

  2. Die Zeit

  3. Der Zufall

Motivation

 

Copyright Gerri Zotter

Mich beeinflusst dieses Thema "der günstige Augenblick" sehr. Es gehört zum Leben, dass wir immer wieder vor Entscheidungen stehen und manchmal das klare Wissen haben, jetzt hab ich den Augenblick für die richtige Entscheidung versäumt, jetzt - das wäre es gewesen ... Aus diesen Erfahrungen (eben mit diesem unangenehmen Beigeschmack) kann man viel lernen. Jeder von uns kann nun sein Gewordensein lassen wie es ist, oder auch beginnen, eine Lebensschule (eine Kairos-Schule) für dieses Lernen des Lebens im Augenblick anzufangen.

Wir haben zwei Möglichkeiten! Von anderen lernen oder durch sich selbst, durch Selbstbeobachtung und indem wir die eigene Selbstachtung anzuheben versuchen. Aber wir wissen alle, wie schwer es ist, sich zu verändern, seinem Habitus eine neue Richtung zu geben. Es geht nur über den Willen, durch das eigene Engagement, durch zielstrebiges Handeln. Die erfüllenden existentiellen Augenblicke werden so immer mehr.

Und wo ist das Vorbild? Die Erfahrung eines Mitmenschen, die mir helfen könnte?
Ich lese oft solche Sätze: Im Jetzt sein, in einem höchstmöglichen Maße anwesend, gegenwärtig sein. Ich verstehe es als eine Fähigkeit und zugleich als eine Haltung, die es mir ermöglicht, im Augenblick zu leben.
Aber wo sind die konkreten Beispiele für diese Beschreibungen?

Allgemeine Hinweise


In nächster Zeit (ab Juli 2012!) werden hier zu den oben angegebenen Themen Texte und Arbeiten veröffentlicht werden. Wenn Sie möchten, tragen Sie Ihre Stellungnahmen, Ihre Erfahrungen, Ihre philosophischen Überlegungen auf den Blog Kairos-Seiten ein.
Diese Seiten sollen auch zu philosophischen Aktivtäten verlinken, Veranstaltungen bekannt machen, wie z.B. über den Veranstaltungskalender des "blauen reiters". Kurzum: Es soll kairos.at philosophisch aktuell sein.


 

Buchtipps
Pascal Mercier: Das Gewicht der Worte. Hanser, 2020
Jacques Lusseyran: Das wiedergefundene Licht. Klett-Kotta 2017
Jim Holt: Gibt es Alles oder Nichts? Hamburg 2016
Emmanuel Carrère: Das Reich Gottes, Berlin 2016
Luciano Floridi: Die 4. Revolution. Wie die Infosphäre unser Leben verändert. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
Michael Hampe: Die Lehren der Philosophie. Eine Kritik. Suhrkamp, Berlin 2014
Herbert Schnädelbach: Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann; C.H. Beck Verlag, München 2012
Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon. btb, 2006
Daniel Gilbert: Ins Glück stolpern, Riemann, 2006


Letzte Bearbeitung: 30.8.2021

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